Ladyfest 2011

DANKE  an alle Helfer*innen, Künstlerinnen* und Gäste!

Es war toll. Auch wenn es wie immer und überall viel zu Verbessern gibt. A propos: Mach doch einfach mit! Wir sind zu wenige – und freuen uns auf frische Ideen und neue Power.

Hier ein kleiner Bericht, geschrieben für die Zeitung des AStAs der TU Darmstadt:

Nach langer Vorbereitung war es am 2.9.2011 soweit: Das zweite Ladyfest in Darmstadt. Nachdem wir schon früh am Tag begonnen hatten, mit Sachen abholen, Technik aufbauen, Deko hängen und all die kleinen und großen Katastrophen abwehren, waren um 20h schließlich alle ehrenamtlichen Helferinnen* an ihren Positionen an Kasse, T-Shirt-Stand, Technik und Co. Und das Weststadtcafé, eine alte Waggonhalle direkt an den Bahnschienen mit geräumigem Außenbereich, begann sich zu füllen. Die Besucher_innen ließen sich zum Plaudern an Biergarnituren nieder oder schlenderten die diversen Verkaufs- und Infostände ab. Manche tanzten sogar – mit oder ohne Kinder – schon mal eine Runde zur Musik von Phoebe Hendrixx und CLAIR. Die beiden Neu-DJs hatten im Juli an einem von der Ladyfest-Gruppe veranstalteten DJ-Workshop für Anfänger_innen teilgenommen und sofort ‚Blut geleckt‘. Auf unsere Anfrage hin hatten sie sich spontan als Team gefunden und unterstützten nun Morelle beim Musik auflegen – mit sichtlich viel Spaß an der Sache. So geht Ladyfesten: Lernen, machen und richtig gut ankommen!

Schnell hatten wir den Eindruck, dass unsere Wunsch in Erfüllung ging und ein besonders liebevolles, fröhliches Miteinander herrschte – und das, jawohl, „trotz“ des in Darmstadt üblichen hohen Männer*-Anteils unter den Gästen. Unsere nette Türsteherin hätten wir jedenfalls nicht unbedingt gebraucht.

Lisa Freieck

Nur ein kleines bisschen später als geplant fing schließlich der erste Live-Auftritt des Abends an: Lisa Freieck. Die im Darmstädter Künstler_innen-Kollektiv knertz beheimatete Singer-/Songwriterin entzückte mit Akustikgitarre, Glockenspiel und zarter Stimme. Viele Gäste verstummten, um sich keine Nuance ihrer nur vordergründig niedlich-naiven schräg-schönen Musik-Geschichten entgehen zu lassen. Nachdem Lisa noch ihr am Folgetag stattfindendes Release-Konzert anlässlich des neuen Albums Nursing the Plumage. Smashing the Bones angekündigt hatte, huschte sie wieder von der Bühne. Zurück blieb warmer Applaus und ein – sorry, Kitsch-Alarm – verzauberter Blick in den Augen einiger Gäste.

Während fleißige Helferinnen* umbauten und DJ-Musik ertönte, schauten sich viele die Stände an: Gedrechseltes bei Julia Buß, Mode, DIY und Design bei Katja Stefani, 5 sterne Kollektion, this-design, Gorilla Art und den Ladie*z vom Freitagsladen, 2nd hand Vinyl und CDs, Makisachen bei der Ladyfest-Grafikdesignerin Julia Veits, unser eigener Stand mit Ladyfest-T-Shirts und Buttons…

So viel Gucken machte hungrig: Zum Glück ließ es sich bei Jessie schmeckts vortrefflich speisen. Die Köchin aus Frankfurt hatte „Multi-bean-all-fresh 100% Beef Chili incl. Toppings mit Vitamin-Schock-Garantie, eine super Vegi-Vegan-Variante mit Kürbis“ und mehr im Angebot. Schön, dass die Gäste sahen, dass gutes Essen aus guten Zutaten seinen Preis hat und alles dankbar verputzten.

Gleich neben Jessie hatte raum_in, FrauenLesbenMädchenTransgender-Raum und -Bibliothek in der Oetinger Villa, gemeinsam mit Vielbunt e.V. sowie der Coach Connection einen Stand zum Informieren, Kennenlernen und Vernetzen. Dort gab es auch einen Film zu sehen, den Ladie*z von raum_in und die Feminismus-Referentin des AStA der TU Darmstadt Giulietta Bender gemeinsam mit freiwilligen ‚Wütenden‘ erstellt haben: „Frauen haben Grund zur Wut, weil…“.

A propos Wut – in der Halle begann nun die Band Jolly Goods: Ein Schwestern-Duo, Tanja Pippi und Angy, ursprünglich aus Rimbach im Odenwald, längst nach Berlin geflohen. Den Jolly Goods nimmt man einfach alles ab, was sie tun. Zu Zeiten ihres Debütalbums herbarium war das vor allem: Laut sein. Gitarre zerrt, Schlagzeug scheppert, Stimme jault und kreischt und brüllt. Kein Stück über 3 Minuten, Ansagen gibt es bei den meist maximal halbstündig ausfallenden Konzerten keine, wozu auch. Vergleiche, „ein einfaches Mittel für faule Journalisten“ (Tanja Pippi), fielen oft in Richtung Riot-Grrrl- und Grunge-Bands aus.

Seitdem hat sich einiges getan. Vielleicht ist es der Mangel an Enge und Perspektivlosigkeit, der die Musik der Jolly Goods heute viel freier klingen lässt – ohne dass sie ihren ureigenen Stil verloren hätten. Noch immer können die beiden hervorragend laut, schnell und auf den Punkt. Es ist aber viel dazugekommen an Tiefe und Emotionen (außer Wut, die nach wie vor eine große Rolle spielt). Auch soundmäßig sind sie breiter aufgestellt, was im Falle der immer voll ‚ihr Ding machenden‘ Jolly Goods sicher nicht nur daran liegt, dass das neue Album ‚Walrus‘ von Tocotronic-Sänger Dirk von Lotzow und dem geheimnisvoll-großartigen Hans Unstern produziert wurde. Überraschend und besonders, wie man von vielen Gästen hört. Das Publikum jedenfalls dankte es mit viel Aufmerksamkeit, Jubel und Applaus – trotz Soundproblemen, mit welchen die Band souverän umzugehen wusste.

Die Crowd tobt bei Sookee

Durch intensives Daumendrücken kam die letzte Live-Künstlerin des Abends, Sookee, gerade noch pünktlich mit dem Zug aus Berlin an, um nach knappem Line-Check die Halle und den Hof davor mit Hip Hop zum Hüpfen zu bringen. Richtig gelesen: Hip Hop. Der laut Sookee „nur so homophob und sexistisch sein kann wie die Gesellschaft in der er stattfindet“ – es aber eben nicht sein muss. Sookee rappt zwar klassisch über Beats (Ausnahme: ein Spoken Word-Stück gegen Ende des Auftritts) und scheut keine expliziten Aussagen. Jedoch beschäftigt sie sich dabei kritisch mit der immer wieder beliebten Subkultur, und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Gern erklärte Sookee auch mal etwas zwischen den Songs – etwa, dass „Pro Homo“ eine Reaktion auf das in der Szene verbreiteten homophoben Spruchs „No Homo“ (mit dem nach potentiell ‚missverständlichen‘ Aussagen sichergestellt werden soll, dass mann auf keinen Fall ‚unmännlich‘ oder gar schwul sei) ist – und nie wirkt es belehrend oder langweilt. Zwischen Uni-Promotion (!) und Street Credibility hat Sookee sich ihren ganz eigenen Platz erobert, würde sich aber nie darauf ausruhen. Ihrer intensiven Performance merkte niemand an, dass sie mit einer Erkältung in Darmstadt angereist war. Begeistert erjubelte sich das Publikum wie schon bei den Jolly Goods eine Zugabe.

Morelle & CLAIR.

Im Anschluss teilten sich Morelle, CLAIR. und Phoebe Hendrixx schwesterlich das (leider leicht defekte) DJ-Mischpult. Die Menge freuts, es wird wild getanzt, während draußen vereinzelte Grüppchen noch feministische Debatten oder auch einfach nette Gespräche führen, bevor schließlich gegen 4h morgens die Musik verstummte und ein erfolgreiches Ladyfest zu Ende ging.

Trotz einiger Mängel (u. a. keine Barrierefreiheit, Probleme mit der Tonanlage) sind wir zufrieden und stolz, was wir mit einer so kleinen Orga-Gruppe und vielen tollen Helfer*innen auf die Beine stellen konnten.

Wir hoffen, dass durch das Fest die eine oder andere Lust bekommen hat, sich uns anzuschließen – und vielleicht nächstes Jahr ein Ladyfest mit Workshops und allem drum und dran auf die Beine zu stellen … oder zwischendurch mal eine Ladie*z-only-Party oder Workshops zu veranstalten… oder was ganz anderes…

Glaubt uns: Feminismus ist cool, notwendig und macht manchmal sogar Spaß!

So come & join us.

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